Ousman stellt sich vor

Wir haben Ousman, einen Flüchtling aus Gambia in Bad Wurzach, gefragt, was für Eindrücke er bisher gewonnen hat:

 

1) Ousman, wie lange lebst Du in Deutschland?

 

Ich lebe seit 9 Monaten in Deutschland. 

 

 

2) Wie ist die Lebenssituation hier in Bad Wurzach für Dich?

 

Es ist gut in Bad Wurzach zu leben. Es gibt Wasser und im Winter wird der Container beim Schwimmbad, wo ich wohne, beheizt.

Es leben 3 Menschen in einem Raum; dass wir die Küche zusammen benutzen, ist vollkommen in Ordnung.

In diesem Container leben auf 2 Stockwerken 48 Gambier.

Im Winter ist der beengte Raum ein wenig schwierig; im Sommer kann man draußen Sport machen und man kann der Enge ein wenig entfliehen.

Wenn es Sportangebote oder Ähnliches auch im Winter gäbe, würden sich Spannungen wohl lösen. Wir haben einen jungen Gambier, der im Schulsport in Basketball sehr erfolgreich ist.

Im Sommer lernen wir viele Deutsche kennen, da wir aufgrund der lockeren Atmosphäre im Sport gut mit ihnen in Kontakt treten können.

Um Frieden innerhalb der Gruppe zu garantieren, weil es manchmal schwer ist, dass 48 Menschen auf engsten Raum leben, wurde ich zum Sprecher des Containers am Schwimmbad gewählt; viele kommen aus unterschiedlichen Regionen mit unterschiedlichen Meinungen und Lebensweisen.

Es ist für uns schwer, da wir nicht wissen, was mit uns passieren wird. Müssen wir wieder zurück, dürfen wir hier bleiben und arbeiten? Dies schafft Unsicherheit und Furcht. Manche können damit besser umgehen, andere weniger gut.

So haben wir Struktur und können gut zusammenleben.

Es ist schwierig, wenn der Tagesablauf immer derselbe ist. Im Winter ist es härter, da wir nur wenig Möglichkeiten haben, etwas zu machen oder wo hinzugehen.

Manche von uns haben zeitweise einen Job, da merkt man, dass es dann einfacher für die Menschen ist.

 

 

3) Besuchst Du Deutschkurse?

 

Ja, ich gehe 2 Mal die Woche in einen ehrenamtlichen Kurs. Wir dürfen nicht in Integrationskurse und VHS-Kurse, da wir keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Daher besuchen wir die ehrenamtlichen Kurse, da wir sonst keine Möglichkeit dazu haben, Deutsch zu lernen.

 

 

4) Wie wichtig ist die deutsche Sprache?

 

Sehr wichtig. Es ist die einzige Möglichkeit, sich ausdrücken zu können. Deutsch ist schwer zu lernen, das Englisch hilft ein wenig weiter, sich verständlich zu machen, aber ich möchte Deutsch lernen.

Auch bei uns Gambiern gibt es verschiedene Sprachen, wir unterhalten uns dann untereinander auch oft in Englisch.

In Gambia ist Englisch ist die offizielle Amtssprache, also können die meisten diese auch sprechen.

 

 

5) Konntest Du Deutsch sprechen, als Du nach Deutschland gekommen bist?

 

Nein, gar nicht. Ich verstehe viel, kann es aber leider noch nicht so gut sprechen. Aber ich möchte, dass mich andere auch auf Deutsch verstehen.

Ich bin seit 7 Monaten in einem Deutschkurs, es braucht aber Zeit, eine neue Sprache zu lernen.

 

 

6) Was hast Du in Gambia gemacht, bevor Du nach Deutschland gekommen bist?

 

Ich war in Gambia 6 Jahre lang Lehrer für die 1. - 9. Klasse. Ich habe Mathematik gegeben. In Deutschland darf ich nicht arbeiten, da ich keine Aufenthaltserlaubnis habe.

 

 

7) Warum bist Du aus Gambia geflohen?

 

Die Situation ist sehr schlecht in Gambia. Gambia ist eine Diktatur und es drohen jedem ohne jeglichen Grund Verhaftungen.

Meine Familie lebt noch dort. Es war eine sehr schwere Entscheidung für mich, zu gehen. Wenn Du überleben möchtest, musst Du fliehen.

 

 

8) Warum sind viele Männer in Deutschland?

 

Die Reise ist sehr sehr hart. Frauen oder Kinder überleben die Reise oft nicht. 

 

 

9) Hast Du einen bestimmten Wunsch?

 

Für Gambia. Gambia ist ein schönes Land. Ohne Hilfe ist es unmöglich, dass Gambia überlebt. Zuhause ist es verboten, Telefone oder Handys zu haben. Gambia war eine britische Kolonie. Seit dem Austritt aus dem Commonwealth ist Gambia sehr isoliert. Die wirtschaftliche Situation dort ist sehr schlecht.

Der Zusammenhalt innerhalb der Familie ist sehr gut. In Gambia gibt es 7-8 große Stämme; diese verstehen sich sehr gut. Man wird in einen Stamm geboren, man kann es sich also nicht aussuchen, in welchen Stamm Du gehen möchtest. Innerhalb der Stämme gibt es Christen und Moslems, die zusammenleben, die einander helfen und sich gegenseitig unterstützen.

Etwa 10% der Bevölkerung sind Christen, 90 % sind Moslems. Ich selbst war auf einer christlichen Schule. Wir machen im Alltag keine Unterschiede. Es ist normal, zusammenzuleben.

Es gab bei uns einen Bischof, der jedem half und zu dem jeder gehen konnte.

 

(Er zeigt uns ein Bild, auf dem ein weißer christlicher Bischof dem Imam die Hand reicht.)

 

Es ist ein schönes Symbol, wie sich diese beiden Religionen die Hand geben.

 

 

10) Möchtest Du abschließend noch etwas sagen, Ousman?

 

Es ist wundervoll, wenn Menschen uns helfen und uns unterstützen. Sie wollen uns in die Gemeinschaft hier in Bad Wurzach integrieren und dafür sind wir sehr sehr dankbar. Ohne sie hätten wir wohl kaum eine Chance, uns integrieren zu können.

Es ist schwierig, mit Menschen in Kontakt zu treten. Dies geschieht hauptsächlich durch die Menschen, die in Bad Wurzach ehrenamtlich tätig sind.

Das Kulturcafe ist eine tolle Möglichkeit, um mit anderen Bürgern in Bad Wurzach in Kontakt zu treten und mit anderen zu sprechen. Auch, um die deutsche Sprache zu üben.

Vielen Dank für die Möglichkeit dieses Interviews und die Gelegenheit, mich ausdrücken zu können. Ich bin sehr dankbar, dass es Menschen gibt, die uns in dieser Situation unterstützen.

 

 

Vielen Dank Dir, Ousman, für deine Eindrücke!